Dienstag, 9 Uhr. Erster Call.
Dienstag, 15:30 Uhr. Immer noch derselbe Stuhl, dieselbe Haltung, derselbe Gesichtsausdruck.
Nur dass sich mein Rücken inzwischen anfühlt, als hätte er selbst an den Meetings teilgenommen.
Das Verrückte: Ich habe an diesem Tag kaum etwas „Anstrengendes" getan. Ich habe nur gesessen. Und zugehört. Und in eine Kamera geschaut.
Das Problem hat einen Namen: der Kamerakegel
Die Frage ist: Warum sitzt man im Videocall eigentlich so viel starrer als im Präsenzmeeting?
Die Antwort ist unspektakulär. Man darf sich nicht bewegen.
Der Stanford-Forscher Jeremy Bailenson beschreibt in seiner Analyse zur sogenannten Zoom-Fatigue vier mögliche Ursachen. Eine davon ist die eingeschränkte Mobilität.
Eine Kamera hat ein festes Sichtfeld. Nutzer:innen stecken laut Bailenson in einem sehr kleinen „physischen Kegel" fest.
Im Präsenzmeeting läufst du herum, stehst auf, streckst dich, gehst zum Whiteboard. Im Videocall bleibst du im Bild. Also bleibst du sitzen.
Wichtig zur Einordnung:
Bailensons Arbeit (2021, Technology, Mind, and Behavior) ist ein theoretisches Argument und keine Messung an Rücken oder Bandscheiben. Sie erklärt, warum wir uns im Call kaum bewegen. Sie belegt nicht, wie stark das den Rücken belastet.
Auch die Unfallversicherung kennt das Gefühl
Die DGUV, genauer ihr Institut für Arbeit und Gesundheit (IAG), hat Ende 2021 eine Praxishilfe zur Zoom-Fatigue veröffentlicht.
Dort steht als größter Stressfaktor das „Gefühl der körperlichen Gefangenheit". Gemeint sind stundenlanges Sitzen und eingeschränkte Beweglichkeit im Kamerabereich.
Die Empfehlungen sind erfreulich konkret:
- Kurze Pausen nach spätestens 60 Minuten: je 5 bis 10 Minuten.
- Mindestens 10 Minuten Luft zwischen zwei Meetings: nicht von Call zu Call springen.
- Meetings kürzer planen als Präsenztermine.
- Kamera ausschalten oder Selbstansicht ausblenden, wenn es passt.
- Methodenwechsel und Bewegungspausen bewusst einplanen.
Die Praxishilfe stammt von 2021 und bezieht sich auf die frühe Pandemiephase. An der Grundlogik – Kamera heißt Stillsitzen – hat sich seither wenig geändert.
Was dein Rücken davon hat (und warum es nicht nur ums Stillsitzen geht)
Du sitzt starr. Das ist die eine Hälfte.
Die andere Hälfte ist unsere eigene Alltagsbeobachtung, keine Studie: Beim Zuhören rutscht man leicht nach vorne oder sackt nach hinten weg. Und korrigiert sich nicht, weil man ja „präsent" wirken will.
Der Rücken bekommt dann eine einzige Haltung zugeteilt und hält sie durch.
Wie du dagegenhältst, haben wir schon im Artikel zum dynamischen Sitzen im Homeoffice beschrieben. Im Videocall ist es nur schwieriger, weil jede Bewegung sichtbar wäre.
Fünf Tricks, die im Videocall funktionieren
Die folgenden Punkte sind teils aus den DGUV-Empfehlungen abgeleitet und teils unsere eigenen Praxistipps. Sie ersetzen keine ärztliche oder arbeitsmedizinische Beratung.
- Kamera aus, wenn du nur zuhörst: So darfst du dich endlich bewegen. Das empfiehlt auch die DGUV-Praxishilfe.
- Bewegung außerhalb des Bildausschnitts: Füße kreisen lassen, Becken leicht kippen, Gewicht verlagern. Unter dem Tisch sieht dich niemand. (Eigener Praxistipp.)
- Externe Webcam und externe Tastatur: Bailenson nennt beides als Weg zu mehr Bewegungsfreiheit. Mehr zur Tastatur-Frage findest du in unserem Artikel zur Homeoffice-Studie 2026.
- Telefonieren statt Videocall: Wo ein reines Audiogespräch reicht, kannst du dabei sogar aufstehen und herumlaufen.
- Zehn Minuten Puffer zwischen den Calls: Aufstehen, Wasser holen, strecken. Ein paar passende Übungen findest du in unseren 5 Dehnübungen am Schreibtisch.
Was ein Sitzkissen leisten kann – und was nicht
Unser ErgoDuo macht dich nicht beweglicher. Es hebt keine Meeting-Starre auf und ersetzt keine Pause.
Auch den Kamerakegel kann kein Kissen der Welt wegzaubern.
Was es kann: Wenn du schon stillsitzen musst, kann es helfen, dass der untere Rücken dabei gestützt wird und du nicht schleichend in dich zusammensackst.
Aufstehen musst du trotzdem. Alle 60 Minuten. Das Kissen ist die Bequemlichkeit für dazwischen.
Häufige Fragen
Warum fühlen sich Videocalls anstrengender an als Präsenzmeetings?
Laut Bailenson spielen vier Faktoren zusammen: Blickkontakt auf kurze Distanz, hohe kognitive Belastung, das ständige Selbstbild und eingeschränkte Mobilität. Die DGUV nennt zusätzlich das Gefühl körperlicher Gefangenheit als großen Stressfaktor.
Wie oft sollte ich bei Videocalls Pausen machen?
Die DGUV-Praxishilfe empfiehlt kurze Pausen von 5 bis 10 Minuten nach spätestens 60 Minuten und mindestens 10 Minuten zwischen aufeinanderfolgenden Meetings.
Darf ich im Call einfach die Kamera ausmachen?
Das hängt von eurer Meetingkultur ab. Die DGUV nennt es als mögliche Entlastung. Sprich es im Team an, am besten für Phasen, in denen du nur zuhörst.
Ist Stehen im Meeting die bessere Lösung?
Ein Wechsel der Position kann sinnvoll sein. Eine Pauschalantwort gibt es nicht, mehr dazu steht in unserem Artikel zum Stehschreibtisch.
Hilft ein Sitzkissen gegen Meeting-Müdigkeit?
Nein, gegen Zoom-Fatigue hilft es nicht. Es kann nur die Sitzposition angenehmer machen. Pausen, Bewegung und kürzere Meetings bleiben die wirksamen Hebel.
Wenn dein Terminkalender dich schon zum Stillsitzen zwingt, sollte wenigstens dein Rücken dabei nicht den Kürzeren ziehen.
Unser ErgoDuo stützt den unteren Rücken, während du im Bild bleibst. Das Aufstehen zwischendurch übernimmst du selbst.
Im Bild bleiben, ohne zu erstarren.
Dein Vysera-Team.